New Me

Ich habe zum ersten Mal seit langem mein Tagebuch von 2017 hervorgekramt und es endlich gewagt, die Einträge zu lesen. Dabei überkamen mich verschiedene Gefühle. Auf der einen Seite war es natürlich schön, in Erinnerungen zu schwelgen, auf der anderen Seite tat es ein bisschen weh. Es tat weh, weil ich mich zurückversetzt habe in die Zeit vor 2 Jahren – als ich noch ein anderer Mensch war.

Ich bin ein verletztes Mädchen, das sich selbst nicht annehmen kann. Ich bin tief drin im Selbstmitleid und fühle mich nicht geliebt. Aber vor allem bin ich furchtbar enttäuscht von mir und meiner Beziehung zu Jesus. Im Glauben läuft es absolut schlecht. Ich fühle mich wie eine Versagerin, weil ich es nicht schaffe, Zeit mit Gott zu verbringen. Ich schaffe es nicht, Gutes zu tun, schlechte Gewohnheiten loszulassen. Ich bin mir all dessen bewusst, aber ich kann nichts daran ändern und hasse mich dafür. Und Gott kann ich nirgendwo sehen.

Ja, das ist Jacky aus 2017 und den Jahren davor. Sie hat am eigenen Leib erlebt, was in Galater 5:4 beschrieben wird.

„Wenn ihr versucht, mit Hilfe des Gesetzes vor Gott gerecht dazustehen, habt ihr euch aus der Verbindung mit Christus gelöst, und euer Leben steht nicht mehr unter der Gnade.“
(Galater 5:4)

Und dann habe ich 2018 etwas getan, was alles verändert hat.

Ich habe kapituliert.

Ich habe geschrien, dass ich es satt habe, mich so anzustrengen, ohne irgendetwas zu erreichen. Dass ich es satt habe, andauernd zu versagen. Ständig am Boden zerstört, unglücklich und schlecht gelaunt zu sein. Dadurch meine Mitmenschen immer wieder zu verletzen. Ich hatte es satt, mich von Gott so weit entfernt zu fühlen.

Ich gebe auf, weinte ich. Ich werde nichts mehr tun. Ich werde nicht mehr versuchen, ein guter Mensch zu sein. Ich werde mich nicht mehr bemühen, besser zu werden und ein angemessener Christ zu sein. Mir ist alles egal. Soll Gott doch machen, was er will.

Und genau das hat er dann auch gemacht. Er hat gemacht, was ER schon seit langem machen wollte, aber nicht konnte – weil ich ihn nicht gelassen habe.

Ich habe versucht aus eigener Kraft gut zu sein. Gottes Willen zu tun. Ein Christ zu sein. Alles aus eigener Kraft. Dabei habe ich Gott total den Weg versperrt, der eigentlich wollte, dass ich ihm die Kontrolle überlasse. Es muss eine Qual für ihn gewesen sein, mir dabei zuzusehen, wie ich mich ohne Erfolg abmühte und fast zusammenbrach.

Als ich kapitulierte und aufgab, hatte Gott endlich den Freiraum, mich neu zu machen. Er zeigte mir, dass ich als Mensch niemals gut genug sein kann – und dass er genau deshalb am Kreuz starb. Durch Christus, der jetzt in mir lebt, kann ich jedes Gebot erfüllen und bin für GERECHT erklärt! In Gottes Augen bin ich ein gerechter Mensch! Egal, wie oft ich versage. Das ist pure Gnade. Und in dieser Gnade darf ich jeden Tag aufs Neue leben.

Ich muss keine Gesetze mehr erfüllen, ich muss NICHT beten und in der Bibel lesen, ich muss absolut GAR NICHTS. Aus eigener Kraft werde ich es nämlich sowieso nicht schaffen. Aber der, der in mir lebt, befähigt mich dazu. Er vollbringt in mir das Wollen und das Tun.

Heute lebe ich mit purer Freude, und ja, ich kann mich sogar freuen, selbst wenn die Umstände hart und kräftezehrend sind – denn ich weiß, welche Identität ich in Christus habe und dass meine Gefühle total unabhängig davon sind.

Ich bin so unheimlich dankbar für das neue Leben. Denn jetzt lebe nicht mehr ich, sondern Christus in mir.